Der Schauspieler

Das Hineinversetzen in andere Menschen und das Verstehen ihres Handelns und ihrer Gedanken hat mich schon beschäftigt, so weit ich mich zurückzuerinnern vermag. Dies ist u. a. auch verwoben mit meiner Auffassung, daß Mißverständnisse ihre - alleinige - Existenzberechtigung in der Möglichkeit ihrer Eliminierung haben.

Diese "Nacherlebensversuche" bezogen sich auch auf Mimik, Gestik und allgemeine Erscheinung. Das ging so weit, daß sich mir bei teilweise gar auf der Straße oder der Kaufhausrolltreppe wahrgenommener Menschen (mit mir als recht markant bzw. 'außergewöhnlich' anmutenden Erscheinungen) die nicht loslassende Frage aufdrängte, wie sich wohl ein solches Gesicht zu haben anfühlen müsse und mich zur Beantwortung eben dieser Frage jene Gesichter nachahmen ließ.

Bezogen auf den Abschnitt "Anfänge und Ausbildung" waren somit meine Weichen auch für den Beruf des Schauspielers schon früh gestellt, wie mir auch mein Schauspiellehrer viele viele Jahre später bestätigen sollte.

Im Jahr 2001 ging ich als Schauspieler auf eine einjährige Tournee mit der Produktion Celtic Life (eine Irish Musical- und Danceshow im Stil von Riverdance, Lord of the Dance etc) in der Hauptrolle des Druiden Tadgh. Nicht nur, daß ich dadurch an viele Orte kam, welche ich sonst womöglich nicht gesehen hätte - und dies gilt auch für kleine sowie große (historisch) bedeutsame Bühnen - es war für mich zudem eine äußerst lehrreiche Phase, die mir viele interessante Begegnungen, Erlebnisse und Erkenntnisse bescherte; eine Phase, die ich rückblickend auch nicht missen möchte und für die ich dankbar bin.

Seit eines mehrmonatigen Camera-Acting-Seminars inklusive Produktion eines eigens für uns (teilnehmende Schauspieler) geschriebenen Drehbuches verspüre ich eine gesteigerte Lust am Wirken vor der Kamera. Zudem wurde ich immer wieder durch positive Feedbacks darin bestärkt.

Zum Einen gehe ich davon aus, daß mein Typ einem Rollenprofil á la "strahlender Nachbar und Liebling aller Schwiegermütter von nebenan" weniger entsprechen dürfte, und ich bin auch davon überzeugt, daß nicht wenige (junge) Kollegen allein ob ihrer Erscheinung diesen Anspruch weitaus besser zu erfüllen in der Lage sind. Zum Anderen interessiert mich das Tiefgründige, das Skurrile, das Undurchschaubare, das Schizophrene, das Merkwürdige, das Mysteriöse, das Schrullige, Ecken und Kanten,... es faszinieren mich Charakterrollen, es reizen mich "Typen" - jedoch nicht auf Bösewichte, Killer etc beschränkt.

Ich freue mich auf weitere Chancen und Herausforderungen.

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